Neue Perspektiven für die Dritte Welt

Internet bietet . . .

Viele Initiativen – Politisches Kalkül verhindert schnellere Verbreitung

Lima (AP) – Jose Soriano hat einen Traum: Die Jugendlichen in den Dörfern der Anden sollen Zugang zu den großen Bibliotheken der Welt bekommen. Und er ist dabei, sein Projekt aus der Zukunft in die Gegenwart zu bringen. Das von ihm gegründete Peruanische Wissenschaftsnetz unterhält öffentlich zugängliche Computer, an denen jeder gegen eine niedrige Gebühr im Internet surfen kann. Der gemeinnützige Provider ist ein Beispiel für die steigende Zahl von Initiativen in der Dritten Welt, die das Internet als Chance für Bildung und Entwicklung begreifen.

Siehe auch::

  • Computerspiel mit Körpereinsatz
  • Apple kontert Intel-Vorstoß
  • Rock im Internet
  • “Dieses Netz entstand aus der Idee, daß es ein Instrument für mehr Entwicklung sein soll”, erklärt Soriano. “Wenn es diese Aufgabe nicht erfüllt, wird es nur der Elite etwas bringen.” In Peru lebt etwa die Hälfte der 24 Millionen Einwohner in Armut, und bei einem durchschnittlichen Monatseinkommen von 235 Neuen Sol (umgerechnet etwa 140 Mark) konnten sich bisher nur fünf Prozent der Bevölkerung einen Computer leisten.

    Am Wissenschaftsnetz hängen inzwischen schon 35.000 Nutzer, die für eine Monatsgebühr von 38 Neuen Sol (etwa 22 Mark) E-Mails verschicken und im Internet herumstöbern können. Natürlich sei das weltweite Computernetz nicht nur eine Informationsquelle für Privatleute, erklärt Soriano. Es biete peruanischen Unternehmen, Organisationen und Universitäten die Chance, “sich in das neue Weltwirtschaftssystem zu integrieren”.

    Edgar Panduro gehört als Händler mit Tropenfischen und anderen Produkten aus dem Amazonas-Becken zu den peruanischen Kleinunternehmern, die über das Internet Fachwissen abrufen und Angebote an potentielle Kunden in der ganzen Welt verschicken. Erst kürzlich erhielt er auf diesem Weg einen Auftrag über 8.000 Mark aus Deutschland für die Lieferung von Wildschweinleder für die Herstellung von Handschuhen. Brasilianische Kautschuk-Zapfer haben eine eigene Seite im World Wide Web eingerichtet, um Paranüsse und andere Produkte des Regenwalds zu vertreiben und gleichzeitig für den Schutz des Walds zu werben. Eine venezolanische Genossenschaft ruft im World Wide Web zu Spenden für ihr Kreditprogramm auf, mit dem mittellosen Familien beim Erhalt ihrer Häuser und beim Autokauf unterstützt werden.

    Überwindung der Entfernungen in Afrika

    Tausende Kilometer entfernt erhofft sich die Regierung in Tansania vom Internet einen kräftigen Schub für den Fremdenverkehr. In Kenia und 22 anderen afrikanischen Ländern nutzen Ärzte den internationalen Gesundheitsdienst Healthnet, um für die Behandlung ihrer Patienten Unterstützung von Spezialisten in aller Welt anzufordern. Und in dem südafrikanischen Township Oukasie versucht der Entwicklungshelfer Jacob Moatshe, Unternehmen für die Ansiedlung in dem Ort zu begeistern. Außerdem hält er auf diese Weise Kontakt mit Lehrern aus Oukasie, die sich zur Fortbildung in der kalifornischen Schwesterstadt Berkeley aufhalten. Ob es um Geschäfte, medizinischen Rat oder den Umweltschutz geht: Die Internet-Initiativen in Entwicklungsländern wollen geographische und wirtschaftliche Entfernungen überwinden, die sie sowohl voneinander als auch von den Industrieländern trennen.

    Doch die Vielzahl der Chancen steht in keinem Verhältnis zu den tatsächlichen Zugangsmöglichkeiten. Etwa 85 Prozent der Bevölkerung in Entwicklungsländern haben noch nicht einmal einen Telefonanschluß, nur fünf Prozent besitzen einen Computer.

    Juristische und bürokratische Hürden

    “Die Situation in den Ländern des armen Südens entspricht in keinster Weise der neuen Allgegenwart des Internet in den Industrieländern”, erklärt der Direktor des Instituts für weltweite Betroffenheit (Institute for Global Concern), Michael Stein. Als gemeinnütziger Internet-Provider unterstützt das in San Francisco ansässige Institut Nichtregierungsorganisationen in aller Welt. In vielen Staaten stehen juristische und bürokratische Hürden einem Anschluß an das Internet entgegen. Autokratische Regierungen verbieten das Internet, weil sie eine Gefährdung ihrer Macht befürchten. Und schließlich müssen eine technische Infrastruktur geschaffen, die Hardware gekauft, Gebühren gezahlt und so finanzielle Mittel aufgebracht werden, die in vielen Ländern nicht zur Verfügung stehen.

    “Ein riesiges Potential”

    In der Republik Elfenbeinküste kostet der bisher beliebteste von zwei Internet-Providern 14.000 CFA-Franc (etwa 42 Mark) pro Stunde, das durchschnittliche Jahreseinkommen in diesem westafrikanischen Staat beträgt jedoch nur 250.000 CFA-Franc (750 Mark). Als preiswertere Alternative bietet jetzt der in Kenia gegründete Provider Africa Online auch hier seine Dienste an: Die Aufnahme kostet 10.000 CFA-Franc (30 Mark), und für 75.000 CFA-Franc (etwa 225 Mark) im Monat ist der unbegrenzte Zugang zu E-Mail und Internet möglich. Das Tochterunternehmen der US-Firma Prodigy hofft, zunächst in Ghana und dann in ganz Westafrika Kunden gewinnen zu können. “Wir haben hier ein riesiges unerschlossenes Potential”, erklärt Amolo Ng’weno, einer der Gründer von Africa Online. Foto: AP

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